Venedig Hotel Sofitel

Eindrücke eines Venedigbesuches

ebooks online

Kurzgeschichten zum Entspannen

Venedig - Hotel Sofitel

Venedig- Hotel Sofitel

 

 (Fortsetzung der geSchichte ‚Anflug auf Venedig’)

Und ich hörte, wie ein weißhaariger, älterer Herr einen jungen, in einem schwarzen Anzug gekleideten Mann fragte, wie man denn vom Flughafen zur ‚Piazzale Roma’ kommen würde. Sie hätten ein Hotelzimmer im Hotel ‚Sofitel’ gebucht. „Ah ja, also auch im Sofitel gebucht“, dachte ich. Ich war gespannt auf die Antwort des jungen Mannes. Dieser antwortete: „Am besten mit dem Bus!“, er schien anscheinend einer von diesen Geschäftsreisenden zu sein, die in Deutschland arbeiteten.
Vielleicht sollten wir einfach diesen Leuten folgen.
Die Größe der Ankunftshalle schien schon darauf hinzudeuten, wie viele Menschen hier täglich ankamen. Groß, geräumig, sie war auf viele Besucher eingestellt. Nachdem wir in der Ankunftshalle unsere Koffer auf dem Band mit den Gepäckstücken unseres Fluges gefunden hatten, folgten wir der Beschilderung zu den abfahrenden Bussen Richtung „Venice“.
Wir waren auf dem Flughafen „Marco Polo“ angekommen, der etwa 10 Kilometer von Venedig entfernt war und sich am Ufer der Laguna ‚Veneta’ befand. Ein Taxi zu nehmen kam mir nicht in den Sinn, weil ich einen vernünftigen Preis nicht zu erwarten schien. Wir hatten uns nicht informiert, wie wir vom Flughagen zum Hotel kommen könnten, und so rief ich dort einfach an und fragte nach. „Sie können eine blauen Bus nehmen“, war der Ratschlag eines gut deutsch sprechenden Hotelangestellten. „Und welche Nummer hat dieser Bus?“, war meine Frage. „Der Bus hat keine Nummer!“, wurde mir erwidert.
Ein blauer Bus war zu sehen, allerdings hatte er eine Nummer und die Anzahl der Passagiere, die sich vor ihm tummelten, war sehr gering. Das konnte nicht der richtige Bus sein. Mein Mann schlug vor einen anderen Bus zu nehmen, den auch schon andere Fluggäste bestiegen hatten. Ebenfalls der nette grauhaarige Herr mit seiner Begleitung. Dann konnte dieser Bus auch nicht falsch sein.
Zum ersten Mal wurde uns der Vorteil des Euros bewusst. Unsere Fahrkarte konnten wir aus einem Automaten im Bus mit einem Euro lösen.
Die anderen Gäste im Bus schienen überwiegend Italiener zu sein. Der Bus hielt auf der Fahrt unterwegs einige Male an. Die Umgebung, die man im Dunkeln wahrnehmen konnte, erinnerte etwas an Frankreich. Wir kamen auf einem großen Busparkplatz an. Das musste der Platz „Piazzale Roma“ sein. Um uns nach dem Weg zum Hotel zu erkundigen, schlug ich vor einen Taxifahrer zu fragen. Auf einer Straße an der Seite des Busparkplatzes standen einige Fahrer mit ihren Autos, die auf Kundschaft zu warten schienen. Ich sprach einen netten Herrn von Ihnen an. „Do you speak English? How can we get to the Sofitel Hotel?“. „It is straight ahead, across the bridge“, lächelte der Herr und wies mit seinem ausgestreckten Arm in die dem Busparkplatz gegenüberliegende Richtung.
Ich bedankte mich und wir machten uns auf in diese Richtung. Dabei kamen wir an einem Kiosk vorbei, wo die Begleitung des grauhaarigen Herrn wohl auch nach dem Weg zum Hotel gefragt hatte.
Nach ein paar Metern erreichten wir die erwähnte Brücke. Wir stiegen die flachen Stufen empor und als wir auf der Mitte der Brücke angekommen waren, überwältigte mich der Eindruck meiner Umgebung.
Wir waren nur wenige Meter gegangen und ich war bereits begeistert. Bisher hatte ich es noch nicht erlebt, von einer Stadt sofort so angetan zu sein.
Es war sehr dunkel und von Straßenlaternen wurde das Wasser des Kanals, den wir nun halb überquert hatten, ein wenig erleuchtet. Das Wasser schimmerte leicht glänzend. In einiger Entfernung war ein größerer Kanal zu sehen, in den der kleine Arm mündete, den wir gerade zu überqueren im Begriff waren. Es waren nur wenige Menschen unterwegs, aber dennoch gab es ein leichtes Treiben auf dieser Brücke. Kleine italienische Wortfetzen von Passanten waren zu hören. Am Ufer des Kanals lag ein Boot, zugedeckt mit einer Plane, aber das war die erste Gondel, die ich in Venedig sah. Ich war begeistert. Die Atmosphäre war ruhig, es wehte ein leichter Wind. Die Reise nach Venedig hatte sich für mich schon gelohnt.
Wir setzten unseren Weg fort, und ich musste immer wieder  zu dieser Brücke zurücksehen, weil ich von dieser Atmosphäre nicht genug bekommen konnte. Unser Weg führte uns vorbei an einem öffentlichen Garten mit hohen Bäumen und sichtbar wurden zwei Häuser im italienischen Stil. Unser Weg führte uns zwischen den beiden Häusern hindurch. Wir hatten einen Stadtführer mit Stadtplan dabei, auf dem wir zuvor im Bus schon erkundet hatten, wo sich das Hotel ungefähr befand. Nach unserer Einschätzung mussten wir hinter den Häusern nach links abbiegen. Als wir auf der Höhe der Häuser waren und nach links abbiegen wollten, konnten wir den Eingang des Hotels bereits erkennen.

Das Hotel lag direkt an einem Kanal mit direktem Bootsanleger und den für Venedig typischen Anlegepfosten. Diese waren weiß und als wären sie von einer blauen Girlande umwickelt, wand sich ein blauer Streifen von oben bis unten um den Anlegepfosten. Sie hatten eine geformte Abdeckung, die etwas über den Pfosten überstand. Wir näherten uns dem Eingang und leise Musik wurde hörbar.

Nachdem wir die Drehtür des Eingangs passiert hatten, war die Musik deutlich wahrnehmbar. Eine junge charmante Dame, in einer schwarzen Abendrobe gekleidet, spielte auf einer Harfe. Wir befanden uns anscheinend in der Eingangshalle, in der es sich auch einige Gäste in Sesseln gemütlich gemacht hatten.
Die Musik klang wunderbar. Jeder Ton der Harfe erzeugte sanfte Klänge, die in der Eingangshalle wunderbar verhallten. Wir gingen leise zur Rezeption, die auf der rechten Seite zu erkennen war. Im Gegensatz zu der jungen Dame an der Harfe, die ein Engel zu sein schien, die ihrem Instrument die wunderbarsten Klänge entlockte, wirkte die Dame hinter der Rezeption wenig warm und liebenswürdig. Sie war dunkelhaarig und von einer leichten Kühle umgeben. Als wir ihr mitteilten ein Zimmer reserviert zu haben, zeigte ihr Gesicht immer noch keinen Hauch eines Lächelns. Dafür war der nette Herr, der uns zu unserem Zimmer begleitete, wesentlich charmanter. Er musste zweifellos Italiener sein. Er trug einen weißen Anzug, und bedankte sich für unser Trinkgeld mit einem ‚Grazie’.
Wir waren angekommen. Das Hotelzimmer hatte ich mir genau so vorgestellt. Ich hatte bereits im Internet ein Bild eines Hotelzimmers gesehen. Es war im Möbelstil ‚Louis XIV.’ Die Schreibkommode und die Nachttische hatten Füße, die mich sehr an die Möbel erinnerten, die ich bei Besuchen der Schlösser des Bayern-Königs gesehen hatte. Aber die Einrichtung passte zu dieser Stadt. Die Tapeten hatten ein blumiges verspieltes Muster und an der Decke befanden sich an den Rändern Leisten als Verzierungen.
Aber es hielt uns nicht lange im Zimmer. Nach einem langen Arbeitstag und einem Flug stellte sich bei uns der Hunger ein. Es war mittlerweile kurz vor 22 Uhr und wir dachten, sofern wir noch etwas in dem Hotelrestaurant essen wollten, sollten wir uns vielleicht sofort dorthin begeben, bevor die Küche geschlossen würde. Bei der Dame hinter der Rezeption, die wir schon beim Einchecken kennen gelernt hatten, erkundigten wir uns nach den Öffnungszeiten des Restaurants. Sie schlug allerdings vor im Restaurant selber zu fragen, was darauf hindeutete, dass das Restaurant eigentlich schon bald schließen würde.
Im Restaurant empfing uns ein kleiner Herr mit dunklen Haaren. Er sah sehr sympathisch aus und lächelte. Da meine Tätigkeit zu dem Zeitpunkt es erforderte Englisch zu sprechen, fragte ich in Englisch, ob wir noch etwas essen könnten. Seiner Antwort, die ich nur sehr schwer verstehen konnte, entnahm ich ein „quickly“. „Ok“ sagte ich „We will be quickly“. Und er führte uns zu einem, mit einer weißen Tischdecke eingedeckten, Tisch.
Auf dem Tisch standen gestärkte Servierten, was meinem feinen Auge immer gefällt. Es war noch ein weiterer junger Mann im Restaurant beschäftigt. Er brachte uns einen Korb mit Brot und eine kleine Porzellanschale mit Butter.
Dazu jeweils zwei kleine Teller mit einem kleinen Messer. Als Aperitif gab es vom Haus einen Sekt.
Wir freuten uns, denn es passte gut zum Auftakt unseres Wochenendes und wir stießen genüsslich an. Der Sekt perlte an den Glaswänden nach oben und schmeckte sehr angenehm. Der jüngere Ober gab uns die Speise- und Weinkarte. Auf der Speisekarte standen wunderbar außergewöhnlich klingende Genüsse.
Es klang alles sehr vornehm. Die Preise waren es auch, was aber in Venedig zu erwarten war. Da wir uns beeilen sollten, entschieden wir uns für Spaghetti. Nachdem wir dem jungen Herrn unsere Wünsche mitgeteilt hatten, unterhielten wir uns angeregt auf Deutsch. Unsere deutsche Unterhaltung war dem älteren Herrn, der uns empfangen hatte, nicht entgangen und fragte uns „Sie kommen aus Deutschland? Warum haben Sie das nicht gleich gesagt“ und lächelte sehr charmant. „Bei uns stellt sich jeder Gast in seiner Landessprache vor“. Er sprach nicht weiter, aber ich entnahm seiner Äußerung, dass wir als deutsche Gäste wohl nicht unbedingt „quickly“ essen mussten.
Der jüngere der beiden Herren servierte uns nach einer Weile unsere Spaghetti. Wie es in einem Restaurant gehobener Klasse üblich ist, waren die Teller unter silbernen, runden, wie umgedrehte Schüsseln aussehende, Halbkugeln versteckt. Er platzierte die Teller und entfernte dann gleichzeitig das kostbare Silber mit einem „Bitte schön!“ Ich bedankte mich mit einem „Grazie“. Die Spaghetti waren überaus dekorativ auf dem Teller angerichtet und verbreiteten einen wunderbaren Geruch nach Tomaten, Oregano und Basilikum.
Der Anblick des Tellers ließ eine Vorfreude auf den Genuss entstehen. Leichter Dampf stieg vom Teller empor. Der Duft von Basilikum war unverkennbar. Die Soße befand sich nur über einem Teil der Nudeln in der Mitte, zusammen mit einem kleinen Klecks Rahm, der durch die Wärme schon an Konsistenz zu verlieren schien. Am Rande des Tellers waren Basilikumblätter platziert. Auf dem sehr breiten Tellerrand befand sich gemahlener Pfeffer. Ich drehte einige Spaghetti mit einer Gabel auf einem Löffel zusammen und kostete.
Wunderbar. Sie waren bissfest und von einer glänzend gelben Farbe. Die Tomatensoße enthielt sehr kleine Zwiebelstücke die wunderbar auf der Zunge lagen und es war geradezu ein Genuss diese zu zerbeißen. Die Tomatensoße war sehr aromatisch und schmeckte hervorragend. Ich rührte die Spaghetti, um sie mit der Tomatensoße zu bedecken. Dabei löste sich der Rahm fast auf. Ich konnte nicht umhin diesen ohne Soße und Nudeln zu probieren, und erfreute mich, wie er auf der Zunge zerging. Ich nahm einige Löffel, hob sie manchmal etwas erhöht über den Teller um den aufsteigenden Dampf mit seinem Geruch nach Kräutern meiner Nase zu gönnen. Die Farbe der Tomatensoße war von intensiv roter Farbe und bedeckte die Nudeln mittlerweile wie mit einer sanften Schicht.
Zum Essen hatten wir einen Bardolino bestellt, einen Rotwein aus der Umgebung von Bardolino, einer Gegend zwischen Verona und Gardasee. Wenn man ihn im Glas leicht drehte, duftete er nach roten Johannisbeeren. Er hatte eine tiefrote Farbe. Der erste Schluck umhüllte meine Zunge sehr samtig und hinterließ am Gaumen einen feinen Geschmack. Er hatte eine gewisse Schwere und ein vollmundiges Bouquet. Zu unserem Essen passte er sehr gut, und stimmte uns gleichzeitig auf Italien ein.
Wir ließen uns die Nudeln schmecken und unterhielten uns währenddessen angeregt weiter. Sie schmeckten vorzüglich. Ich machte während des Essens immer wieder eine Pause, um zu genießen. Nach einem anstrengenden Tag und einem Flug war dies eine gute Entspannung.
… next part coming soon


Copyright © 2004 by Mona Santo
www.finest-story.com