Lint in Köln

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Kurzgeschichten zum Entspannen

Das Lint - ein Restaurant in der Kölner Altstadt

Es war einmal…

Ein kleines feines Hotelrestaurant namens Lint in Köln ...

Diese Geschichte ist den ehemaligen, liebenswerten Bedienungen Mavi, Susanne, Carina und dem charmanten Koch Dimitri gewidmet, der in seiner kleinen Küche wunderbare Köstlichkeiten zauberte.

Es war einmal …

Ein kleines feines Hotelrestaurant namens Lint in Köln

Bei einem Spaziergang in der Kölner Altstadt fällt mir an einem schönen Sommerabend in einer engen Gasse ein kleines Restaurant auf, das wunderbar ansprechend und modern eingerichtet ist. Es scheint zu einem kleinen Hotel zu gehören. Ich bestaune die Lokalität, die eine sehr angenehme Atmosphäre ausstrahlt und sehr anziehend wirkt. Die Einrichtung ist von neuzeitlichem Design, mit braunen Möbeln, dunkelbraunem Parkett und Edelstahlverkleidungen an einigen Einrichtungsgegenständen. Das Restaurant entspricht sehr meinem Geschmack. Da ich neugierig bin, zieht es mich an diesem Abend in diese angenehme Lokalität.

Das Gebäude, in dem sich das Restaurant befindet, ist insgesamt sehr schmal, vielleicht neun Meter etwa und fast nur ebenso so tief. Wenn man das Restaurant betritt, kommt man an einer schmalen offenen Küche vorbei, die sich an einer Haustrennwand erstreckt. Hinter der Küchenzeile steht ein nett lächelnder Koch, der mich freundlich begrüßt. Ein leichtes Brutzeln ist zu vernehmen und ein angenehmer Duft strömt mir entgegen.

An der Küche vorbei gelangt man in den hinteren Bereich des Restaurants, in dem sich einige Tische befinden. Auf einem Stehtisch befindet sich ein ungewöhnlich großer Strauß Lilien, die einen wunderbaren Duft verströmen. Es ist eine überaus moderne, ansprechende Einrichtung. Über einer braunen Sitzbank an einer Längsseite des Raumes hängt ein ebenso breiter, braun gerahmter Spiegel, der den Raum optisch vergrößert. Schmale, hinter Plexiglas befindliche, raumhohe Leuchten spiegeln ihr Licht auf dem Fußboden und leuchten den Raum mit einem angenehmen Licht aus. Auf den Tischen und auf einer Treppe, die nach unten führt, stehen Windlichter, die mit ihrem Licht eine warme Stimmung erzeugen. Edel wirken die auf den Tischen liegenden, gestärkten Servietten, auf welchen jeweils ein Besteck platziert ist.

Durch große Fenstertüren hat man einen sehr schönen Blick in einen ausgedehnten Hof. Es ist ein wunderbarer Sommerabend und durch eine offen stehende Fenstertür gelange ich in den Innenhof. Entlang des Gebäudes sind unter zwei Markisen einige Tische aufgestellt. Die Stühle und Tische sind in der Form, wie man sie in den sechziger Jahren in Biergärten fand und wie sie sich heute wieder großer Beliebtheit erfreuen. Allerdings sind diese neuzeitlichen Stühle ansprechender und edler. Die Markise färbt die Umgebung, dank ihrer roten Farbe, in ein warmes Licht. Es wirkt alles sehr einladend.

An einen Tisch an der Hausfront lasse ich mich neugierig nieder. Das Gebäude schien vor kurzem umgebaut worden zu sein. In den oberen Geschossen sind Erker erkennbar, die den Stil eines guten neuzeitlichen Architekten aufweisen. Die Fenster sind aus hellbraunem Holz und verleihen dem Restaurant und dem Hotel einen warmen Charakter.

Eine überaus freundliche junge Frau, mit dunklen Haaren und südländisch italienischem Flair, bedient die übrigen Gäste. Sie trägt schwarze Kleidung und eine schwarze Schürze. Ihr Wesen hat etwas von Audrey Hepburn, als sie die Rolle in dem Film „Ein Herz und eine Krone“ spielte. Sie kommt an meinen Tisch und gibt mir eine Speisekarte. Dabei sehen mich ihre wunderbaren, großen Augen aus ihrem freundlich lächelnden Gesicht an. Sie spricht Deutsch mit einem Akzent, aus dem man eine italienische oder spanische Muttersprache vermuten könnte. Sie ist überaus charmant und liebenswürdig und hat eine Körperhaltung und Gestik, die sehr liebreizend wirkt. Ich bestelle zunächst ein Wasser, das sie mit einem Nicken aufnimmt. Mein Hunger treibt mich zu einem Blick in die Karte. Der Inhaber des Restaurants könnte ein Architekt sein, denke ich, da die Karte auf Pergamentpapier kopiert ist, die sich in einer Kartonkarte befindet.

Die Speisekarte bietet außergewöhnliche Dinge für ein so kleines Lokal. Es sind alles sehr interessant klingende Gerichte, die einem schon beim Lesen eine gewisse Vorfreude bereiten:

  1. Sommerliche Blattsalate mit gebratenem Roquefortkäse und Walnüssen an Trauben-Honig-Vinaigrette
  2. Rucola-Salat mit Parmaschinken, Parmesanspalten an Tomaten-Basilikum-Dressing
  3. Karotten-Orangencremesuppe
  4. SpaghettiSalsiccia fresca mit sizilianischer Fenchelwurst
  5. Ziegenkäse in Brickteig mit Honigminze gebacken an Salatbouquet
  6. Panna Cotta auf Erdbeeren-Daiquiri-Spiegel

 

Auffällig auf dieser Karte sind die Weine. Für ein kleines Restaurant ist die Anzahl sehr groß und sie werden auch von ihrem Duft und Geschmack her beschrieben.

zum Beispiel:

  1. Chateau L’ermitage Vieilles Bignes Costiers de Nimes AC

Feine Kirsch- und Himbeeraromen, sehr ausgewogener Wein

  1. Rosso Ficeno DOC Azienda Agricola Saladini Pilastri Marken (Italien)

Filigrane Frucht, geschliffene Tannine und gut eingebundene Säure machen ihn zum reinen Vergnügen.
Harmoniert zur Mittelmeerküche.

Es fasziniert mich ein Restaurant mit einer derartigen Weinauswahl gefunden zu haben und lese als Erstes alle Beschreibungen der Weine durch. Die Wahl ist sehr schwierig bei den wunderbar klingenden Beschreibungen. Das Lesen ist bereits ein Genuss.

Als Wein wähle ich den Chateau L’ermitage (ein wunderbarer Wein, der einen traumhaften Schlaf ermöglicht und auch keinerlei Anzeichen eines schweren Kopfes hinterlässt) und einen sommerlichen Blattsalat mit Roquefortkäse, als Vorspeise eine Karotten-Orangencremesuppe. Nach kurzer Zeit erscheint die freundliche Bedienung mit dem Wasser und ich gebe meine Bestellung bei ihr auf. Sie verschwindet wieder mit einem freundlichen Lachen und ich sehe mich etwas in der Umgebung um.

Vor mir liegt ein größerer Platz, der auf der rechten Seite von der Kirche Groß St. Martin eingegrenzt wird. Der Platz ist mit einem Kopfsteinpflaster versehen. Im Bereich der Kirche gibt es einige Bäume, die schon fast so hoch sind wie die Kirche selbst. Auch auf der Seite, an der ich sitze, gibt es einen relativ großen Baum. Aufgelockert wird der Platz durch Rankgerüste, an denen sich eine Glyzine emporrankt. Im oberen Bereich breiten sich die Ranken wie eine Baumkrone aus. Insgesamt erscheinen die Rankgerüste wie Bäume.

Einige Meter zu meiner Rechten stehen zwei lebensgroße Figuren aus Bronze. Es scheint sich um Tünnes und Scheel zu handeln.

Die übrigen Tische sind mit einigen Gästen besetzt, die sich angeregt unterhalten und ihr Essen zu genießen scheinen. Der Platz insgesamt ist sehr ruhig, wenn man bedenkt, dass man durch einen Durchgang in der Häuserfront direkt auf den Alten Markt gelangt. Wir sind mitten in der Kölner Altstadt, aber im Vergleich zu allen anderen Gassen ist es hier angenehm ruhig.

Die Luft ist an diesen Abend wunderbar mild, es weht nur eine leichte Brise, die nach einem warmen Tag sehr angenehm ist.

Die junge Bedienung bringt Brot, das sich in einer dunklen Kuchenform befindet, und eine große Flasche, in dem Olivenöl zu sein scheint, zusammen mit einer Pfeffer- und Salzmühle. In einen kleinen Teller mit einer Vertiefung gießt sie ein wenig Öl und verziert den Rand mit gemahlenem Pfeffer und Salz. Olivenöl war mir bereits in einem kleinen Restaurant in Frankfurt gereicht worden, es musste wohl ein neuer Trend sein. Bisher hatte ich diese Sitte noch nicht erlebt.

Es schmeckt köstlich. Obwohl ich kein Freund von Olivenöl bin, muss ich sagen, dass dieses sehr wohlschmeckend ist. Die nette freundliche Bedienung bringt mir den Wein in einem wunderbar hohen Glas. Ich rieche einwenig an dem Glas und probiere. Ein samtiger Geschmack breitet sich auf meiner Zunge aus. Er riecht wunderbar leicht nach Himbeeren und schmeckt sehr weich. Ich bin begeistert und genieße langsam noch einen Schluck. Entspannung macht sich in mir breit.

Den Wein genießend beobachte ich meine Umgebung. Das Licht von den Straßenlaternen und das Licht der Kerzen, die sich auf den Tischen in Pergamenttüten befinden, hüllen den Platz in eine entspannende Umgebung. Hin und wieder kommen kleine Gruppen von Menschen, die anscheinend die beiden Bronzestatuen bestaunen. Sie müssen wohl zu einem bedeutenden Punkt einer Stadtführung gehören.

Meine Beobachtung wird unterbrochen und die nette Bedienung serviert mir einen großen Teller mit der Karotten-Orangencremesuppe. Die Suppe hat eine wunderbar orange Farbe und ist mit einem Klecks Sahne, auf dem sich ein Minzblatt befindet, dekoriert. Sie duftet leicht nach Orange. Ich bin überaus neugierig und probiere einen ersten Löffel. Wunderbar! Eine Orangensuppe ist etwas Außergewöhnli­ches, und diese ist grandios im Geschmack. Sie prickelt ein wenig und man könnte glauben Champagner in ihr zu vermuten. Ich genieße einen weiteren Löffel und lasse meine Zunge diese Köstlichkeit genießen. Beim Unterrühren der Sahne bildet sich eine wunderbare Spirale. Der Duft nach Orange wird dadurch noch intensiviert und steigt mir genüsslich in die Nase. Der Geschmack ist hervorragend. Die Suppe umschmeichelt den Gaumen. Ich genieße die Köstlichkeit und halte manchmal inne um den Geschmack nachzugehen. Während sich mein Gaumen an der Suppe entzückt, erfreuen sich meine Augen an der Umgebung. Das Kerzenlicht des Windlichtes auf dem Tisch bewegt sich durch den lauen Sommerwind. Zwei Kinder fahren mit ihren kleinen Fahrrädern auf dem Platz, ein Pärchen hat sich auf einer Bank niedergelassen. Und dominierend über allem ist St. Martin. Ich genieße die Stimmung und erfreue mich genießerisch an der Suppe.

Als die nette Bedienung meinen leeren Teller abräumt, mache ich dem Koch ein Kompliment. „Die Suppe hat ausgezeichnet geschmeckt“.  Die nette Bedienung nickt lächelnd und antwortet sie werde das Kompliment dem Koch ausrichten.

Die Gäste an den Nachbartischen scheinen sich auch sehr wohl zu fühlen und unterhalten sich angeregt. Von der charmanten Bedienung werden ihnen wunderbar zubereite Brotzeiten, die überaus schön dekoriert sind, gereicht. Die Gäste zu meiner Rechten scheinen sich die auf der Speisekarte beschriebenen dreierlei Antipasti bestellt zu haben. Nach der Speisekarte gab es dreierlei, fünferlei und siebenerlei Antipasti, die nach Wunsch zusammengestellt werden. In verschieden farbigen kleinen rechteckigen Schalen befinden sich getrocknete Tomaten, gefüllte Weinblätter und schwarze Oliven. Der Anblick lässt den Gaumen etwas kitzeln.

Aus dem Lokal dringt swingende Jazzmusik, die beflügelt und entspannt. Ich lausche ihr und vergesse den Arbeitsalltag. Hier könnte man jeden Abend verbringen, denke ich mir. Es scheint mir ein Geheimtipp zu sein. Mit dem entzückenden Wein in der Hand, an dem ich gelegentlich nippe, lehne ich mich zurück und entspanne, beobachte und genieße.

Immer wieder kommen kleinere Gruppen, welche die Bronzefiguren von Tünnes und Schäl begutachten. Von weitem sind teilweise kölsche Wortfetzen der offensichtlichen Reiseführer zu vernehmen. Meistens ernten sie ein großes Lachen der Gruppe.

Gegenüber befindet sich ein sehr großer Gebäudekomplex. 7-geschossig mit einer Ladenzeile im Erdgeschoss. Das Haus scheint um 1980 gebaut worden zu sein und besitzt einige Balkone. Obwohl die Betonbrüstungen betoniert sind, wirkt das Haus sehr schön. Es hat eine klare Form. Teilweise sind auf den Balkonen Rankgerüste zu erkennen, die von Grünpflanzen berankt sind. Im Dachgeschoss gibt es einige Terrassen, auf denen kleine Bäume stehen. Der Gebäudekomplex ist sehr breit und erstreckt sich ungefähr 70 Meter weit bis zu einer Gasse.

Es ist bereits dunkel und in den Häusern, die den Platz einrahmen, sind hier und da Lichter zu erkennen. Die Ladenzeile des größeren Gebäudekomplexes und eine Ladenpassage, die zum Alten Markt führt, sind hell erleuchtet. Dominierend und zugleich faszinierend ist allerdings das gelbliche Licht, mit dem die Kirche St. Martin angestrahlt wird. Das gelbliche Licht unterstützt die ruhige Stimmung des Platzes, den immer wieder einige Menschen passieren.

Mit mehreren Tellern passiert die Bedienung die Gäste am Nebentisch und platziert einen der Teller vor mir und lächelt dabei: „Guten Appetit!“.

Mein sommerlicher Blattsalat mit gebratenem Roquefortkäse und Walnüssen an Trauben-Honig-Vinaigrette. Ich nehme mein Besteck und probiere als Erstes ein kleines Stück Käse. Er zergeht auf der Zunge. Die Komposition des Salates ist gut gelungen. Der Salat ist so wunderbar angerichtet, dass er auch für das Auge ein wahrer Genuss ist. Friséesalat, Weintrauben, Walnüsse und Roquefortkäse sind wunderbar auf dem Teller angerichtet. Mein Gaumen erfreut sich außerordentlich an der Vinaigrette. Sie schmeckt leicht süßlich nach Honig und passt hervorragend zu den Weintrauben und dem Käse. Ich wusste nicht, dass ein Salat auch ein hinreißendes Vergnügen sein kann.

Immer wieder probiere ich von dem Salat und bin sehr begeistert. Heißt es nicht auch Koch-Kunst. Und wie sagte mal ein Kollege, der Kunst studiert hatte: „Kunst kommt von Können“. Dieser Koch scheint seine Kunst sehr gut zu können. Wenn Essen zum Genuss wird, ist es gelungen.

Gelegentlich probiere ich von dem Rotwein, der wunderbar zu dem Käse harmoniert, und lasse meinem Gaumen die wunderbare Freude des Essens. Auf jeden Fall werde ich diesen Ort ein zweites Mal aufsuchen. Es ist ein wunderbarer Platz, um nach einem Arbeitstag zu entspannen und zu genießen. Die Vinaigrette ist so wunderbar im Geschmack, sie schmeichelt dem Salat, könnte man fast sagen. Sie legt sich wie ein feiner Mantel über den Salat und die Weintrauben. Fantastisch! Die Walnüsse sind eine Gegenkomposition, die dem Salat etwas Nussiges verleihen. Es ist genüsslich sie zu zerbeißen. Zusammen mit dem Käse harmonisieren sie sehr gut. Wie schön kann essen sein ...

Nachdem ich den Salat genießerisch zu mir genommen habe, beginnt es leicht zu regnen. Eine wunderbare Erfrischung an diesem Abend. Unter den Markisen sitzt man sehr geschützt und eine an der Hauswand angebrachte Lampe wärmt die Umgebung. Mein Blick fällt auf eine an der Hauswand angebrachten Tafel, auf der die Speisekarte aufgeschrieben ist. Mein Auge fällt auf die letzte Zeile: „Panna Cotta auf Erdbeeren Daiquiri-Spiegel. Das klingt so entzückend, dass ich glaube dies könnte eine passender Abschluss zu meinem Essen sein und bestelle mir diesen wohlklingenden Nachtisch.
 
Der Regen taucht den Platz in einen faszinierenden Ort. Innenhöfe haben aus architektonischer Sicht etwas Behagliches und dieser Platz hat es auch. Schade, dass diese städtebauliche Qualität heute nur noch selten angewendet wird. Aber wer weiß. Es braucht ja bekanntlich immer ein paar Jahre um sich an alte gute Gewohnheiten, Sitten oder auch Moden zu erinnern.

Mein Panna Cotta wird mir serviert. Eine weiße, aus einer runden Form gestürzte, Creme umgeben von rotem Mus, die diese fast wie eine Blüte umgibt. Das Ganze angerichtet auf einem großen Teller, der mit  Puderzucker bestäubt ist. Zauberhaft und genüsslich.

Ich probiere und bin hingerissen. Ein Genuss ...

Copyright © 2004 by Mona Santo
www.finest-story.com


Ich war noch oft Gast im Lint. In diesem kleinen Hotelrestaurant, mit den zauberhaft netten Bedienungen, die alle so nett freundlich und sympathisch dazu beigetragen haben, dass ich mich dort stets wohl fühlte.
Das Lint ist mit Geschmack eingerichtet und von besonderem Geschmack waren auch die Köstlichkeiten, welche die Küche zu bieten hatte ... Liebevoll gezaubert auf wenigen Quadratmetern.

Ich werde es vermissen. Das Lint, das kleine, feine und edle Restaurant in der Kölner Altstadt. Aber wer weiß, man sieht sich immer zweimal im Leben. Vielleicht bekommt es noch mal eine zweite Chance