La Brancaia - Ein Chianti Classico
Nach einem anstrengenden Arbeitstag, beschließe ich in Köln ein kleines Weinlokal aufzusuchen.
Bereits beim Betreten des Lokales wird meine Stimmung durch rhythmisch und schwingende Musik angehoben. Ich wähle einen Tisch, von dem ich einen guten Blick ins Lokal habe. Auf einer Karte sind verschiedene Weine unterschiedlicher Anbaugebiete aufgeführt. Die Wahl eines Weines ist nicht einfach aufgrund des umfangreichen Angebotes. Nach einem kurzen Studium der Karte entscheide ich mich für einen Rotwein der gehobenen Preisklasse, da ich von einem solchen Wein auch einen besonders guten Geschmack erwarte. Meine Wahl fällt auf einen Chianti Classico namens 'La Brancia'. Bei einer netten, jungen und sympathischen Frau mit leicht rötlichen langen Haaren gebe ich meine Bestellung auf.
Während ich auf den Wein warte, sehe ich mich im Lokal um und betrachte die Bilder, die an den Wänden hängen. Es sind schwarz-weiß Bilder von bedeutenden Schauspielern der sechziger Jahre aus den Staaten. Unter anderem erkenne ich Marilyn Monroe und Gary Grant. Die Bilder sind schwarz gerahmt und heben sich dadurch besonders von den Wänden ab. Sie unterstreichen die stilvolle Stimmung im Lokal und geben dem Raum ein gewisses Flair. Ich genieße die nette Umgebung.
Eine Wand ist in einem dunklen Rot gestrichen. Durch Lampen, die auf der Wand angebracht sind, erstrahlt die Wand förmlich und taucht die Umgebung in einen leicht rötlichen Ton. Die Einrichtung besteht insgesamt aus dunklen Stühlen mit dunkelbraunen Lederbezügen und dunklen Tischen. Das Parkett hat eine hellbeige Farbe und gibt dem Raum eine warme Atmosphäre. Es hat alles einen neuzeitlichen, nordischen Stil und wirkt sehr entspannend. Ich merke, wie sich die Anspannung des Tages langsam legt.
Die nette junge Frau bringt mir den bestellten Wein in einem Rotweinglas mit einem sehr langen Stil und einer sehr hohen bauchigen Form, die sich nach oben verengt. Das Glas ist zu einem Drittel mit Rotwein gefüllt. Die Farbe des Weines ist sehr dunkel, fast tiefschwarz. Sie stellt das Glas auf den Tisch. Dabei bewegt sich die Oberfläche kreisend, sodass der Wein leicht, aber sehr langsam von den Glasinnenflächen wieder herunterfließt, bis die Oberfläche wieder zur Ruhe kommt und in der Waagerechten ist.
Das Licht der Umgebung spiegelt sich im Glas und auf der Oberfläche des Weines.
Der Wein ist gut temperiert, dank eines Schrankes, in dem die Flaschen aufbewahrt werden. Ich drehe das Glas ein wenig, damit die Oberfläche in Bewegung kommt, rieche dann an dem Wein und bin neugierig.
Er riecht sehr rauchig, dumpf und erinnert an Besuche in kühlen dunklen Weinkellern mit Gewölbe und groben Pflastersteinen auf dem Boden.
Brombeer- und Johannisbeeraromen steigen in meine Nase. Herrliche Kindheits-erinnerungen an Johannisbeerernten in weitläufigen Johannisbeerfeldern werden wach.
Mein Gaumen kostet einen ersten kleinen Schluck. Ich bin überaus überrascht, denn der Wein schmeckt einfach großartig. Meine Zunge braucht eine kleine Weile um ihn zu erforschen. Brombeergeschmack ist ein wenig herauszuspüren. Ich konzentriere mich auf den Geschmack und versuche ihn zu beurteilen. Nie zuvor hatte ich einen Chianti getrunken, der derart überzeugend war. Er ist sehr schwer und hinterlässt im Mund einen leichten, samtigen Film. Er schmeckt noch lange nach.
Ich lehne mich zurück und verfolge gedanklich den Geschmack. Einfach fantastisch! Es ist ein wunderbarer Wein mit einer gewissen Schwere und einem besonderen Bukett. Meine Sinne werden nahezu euphorisch und ich bin sehr beeindruckt. Einen derartigen Wein, der so überwältigend im Geschmack war, und so hervorstach, hatte ich bisher noch nicht gekostet.
… und bald wieder Zeit für ein Glas ‚La Brancaia’, einem fantastischen Rotwein.
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